
Vom Zwang zurück zum Genuss
“Essen ist verkörperte Liebe” - Sandra Bröchler
Juli 2026
Vom Zwang zurück zum Genuss – was dein Kind wirklich braucht, um aus der Ess-Störung auszubrechen
Jeden Tag das gleiche Spiel: Ihr sitzt beim Essen und du spürst, dass dein Kind sich überwinden muss. Jeder Bissen wirkt wie ein Ritual, jede Mahlzeit ist wie ein einziger Kampf - in deinem Kind und vielleicht auch mit dir. Wahrscheinlich hast du schon einiges ausprobiert: Essensregeln, logische Argumente oder mit Strukturen gegenzusteuern – und erlebst doch: Die Zwänge deines Kindes bleiben. Sie scheinen eher stärker zu werden.

In diesem Beitrag erfährst du, warum das Verhalten deines Kindes mehr ist als es scheint und weshalb der direkte Kampf dagegen wenig hilfreich ist. Du erfährst, was du stattdessen tun kannst, um deinem Kind sanft den Weg zurück zum Genuss zu ebnen.
Vom Zwang zurück zum Genuss
Ein versteckter Hilferuf oder was dir die Zwänge deines Kindes sagen wollen
Zwänge sind wie Fäden in einem Spinnennetz: Ziehst du an einem Faden, bewegt sich das ganze Netz – manchmal taucht das Problem einfach an einer anderen Stelle wieder auf.
Das zwanghafte Essen, Nicht-Essen oder was es auch immer bei deinem Kind sein mag, sind Ausdruck einer grossen inneren Unsicherheit. Die geregelten Abläufe seines Verhaltens geben deinem Kind die Sicherheit, welche es gerade nirgendwo anders findet.
Die Ess-Störung deines Kindes ist das Symptom einer ganz tiefen inneren Zerrissenheit. Dein Kind möchte 'es perfekt machen'. Daraus ist ein komplexes Zusammenspiel aus Gedanken, Gefühlen und Körperempfinden geworden.
Der täglich gleiche Rhythmus mit dem Essen schenke mir damals Sicherheit, als ich mit siebzehn Jahren in der Bulimie feststeckt. Doch gleichzeitig frass mich das ewig drehende Gedankenkarusell fast auf.
Dein Kind macht keine Kapriolen. Von aussen siehst du nur 'isst', 'isst nicht', 'isst zu viel' oder 'isst gesund', 'isst ungesund'. Diese Einteilung spiegelt keinesfalls die vielschichtige innere Realität deines Kindes wider.
Eins ist sicher, die Stärke dieser Zwänge zeigt dir, wie belastend dieser Zwiespalt deines Kind wirklich ist. Unabhängig davon, ob es dieses Verhalten selbst so wahrnimmt oder nicht. Selbst die Zahl auf der Waage oder mühevoll abgerungene Abmachungen spiegeln sein Erleben nicht so zuverlässig wieder wie die Ausprägung seine Zwänge.
Was sind Zwänge?
Von einer Zwangsstörung wird gesprochen, wenn Menschen gewisse Handlungen immer wieder ausführen, um eine subjektiv empfundene (bewusste oder unbewusste) Bedrohung abzuwenden. Die Lebensqualität wird dadurch mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Das Ausführen der zwanghaften Handlung führt zwar zu einer kurzzeitigen Befriedigung, welche jedoch schnell nachlässt und die Handlung erneut ausgeführt wird (1).
Sobald du dieses Verhalten deines Kindes als Warnblinker betrachten kannst, wird sich auch euer Miteinander entspannen. Dann ist seine Gewohnheit nicht mehr 'falsch', sondern ein emotionaler Anknüpfungspunkt für dich. Denn es signalisiert dir 'Hier läuft gerade etwas nicht so, wie es sollte.' Statt auf einer Zahl zu beharren, könnt ihr in den Austausch darüber kommen, was gerade in deinem Kind los ist.
Wenn du ehrlich auf deinen Alltag schaust: Worauf richtest du aktuellmehr Aufmerksamkeit – auf das,was und wie vieldein Kind isst, oder auf das,wie es sich dabei fühlt?

Dieses Zitat von Sandra Bröchler bringt die tiefere Bedeutung von Essen und seine möglichen Dynamiken auf den Punkt. Letztendlich kannst du die Ess-Störung als missglückten Versuch verstehen, den emotionalen Hunger deines Kindes zu stillen.
Aus einem Moment der Nähe und Liebe ist irgendwann eine Qual geworden. Statt Idylle herrscht bei Tisch berstende Angespanntheit. Ein Funken und die Zündschnur geht los. Die gemeinsamen Mahlzeiten sind der Moment, wo sich alles konzentriert: Erwartungen - an sich selbst und die anderen, endlose Gedankenspiralen, Ansprüche und Ängste, die längst zum Zwang geworden sind.
Bedenke, die Ess-Störung deines Kindes erfüllt eine wichtige Funktion. Sie stillt irgendeinen emotionalen Hunger deines Kindes, welchen es (noch) nicht anders regulieren kann. Die Palette möglicher 'Ursachen' ist breit: zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Kontrolle oder Wertschätzung.
Was es letztendlich braucht, um diesen emotionalen Hunger zu stillen, darf dein Kind selbst heraus finden. Sehr wahrscheinlich ist es sich noch nicht einmal darüber bewusst, dass ihm etwas 'fehlt'.
Im Gegensatz zu körperlichem Hunger - den dein Kind vielleicht auch nicht mehr spürt - ist emotionaler Hunger sehr subjektiv und wird unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb kann niemand von aussen verordnen, was es braucht, um diesen zu befriedigen. Das kann nur dein Kind selbst herausfinden.
Doch vermutlich steht dein Kind noch gar nicht an diesem Punkt. Sehr wahrscheinlich steckt es in dem verzwickten Kreislauf fest:

Den Kreislauf der (Essens-) Zwänge kannst du dir so vorstellen: Dein Kind will nach aussen stark wirken. Die Gedanken kreisen die ganze Zeit um das Thema Essen. Der emotionale Hunger dahinter kann vieles bedeuten, zum Beispiel dass es nur geliebt wird, wenn es einen attraktiven Körper hat. Diese versteckte Bedeutung kann bewusst oder unbewusst sein. Der innere Druck deines Kindes wächst so lange an, bis es wieder in sein zwanghaftes Verhalten verfällt, was ihm eine kurzzeitige Entlastung und Beruhigung gibt. Dann kommen Scham, Angst und seine Unsicherheit wieder auf (3). Das befeuert wiederum sein zwanghaften Verhalten (1).
Anders ausgedrückt, die Zwänge gleichen dem Versuch die unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse deines Kindes mit strengen Regeln und Essen zu betäuben.
Deshalb, frage dich ohne zu bewerten: was nährst du aktuell mehr? Die Ess-Störung oder den emotionalen Hunger deines Kindes?
Warum Kämpfen diesen Krieg niemals gewinnen kann
Stelle dir vor, wie jemand verzweifelt versucht durch eine geschlossene Tür zu gehen. Derjenige rüttelt und zerrt an dieser Tür und ist vollkommen damit beschäftigt sie auf zu bekommen. Dabei merkt die Person nicht, dass nur ein paar Schritte weiter zwei Türen zum gleichen Gang weit geöffnet stehen.
Einfach durch das Verschieben ihrer Aufmerksamkeit, könnte die Person ganz einfach dort hin gelangen, wo sie hinmöchte. Denn die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Immer. Das bestätigt sogar die Quantenphysik.
So ähnlich ist es mit der Ess-Störung. Je mehr Aufmerksamkeit das Symptom „Essen“ bekommt, desto stärker wird seine Macht über euch. Im Umkehrschluss könnte das bedeuten, dass ihr weniger Kraft habt für die eigentliche Ursache der Krankheit: den emotionalen Hunger.
Alles wogegen du kämpfst, bekommt Aufmerksamkeit und wird dadurch stärker.
Vielleicht hast du das bereits beobachtet: Je mehr du versuchst, deinem Kind zu helfen, 'normal zu essen', desto mehr zieht es sich zurück bzw. desto mehr kämpft ihr gegeneinander statt miteinander gegen die Krankheit.
Bitte verstehe mich richtig, natürlich ist es essenziell, dass dein Kind wieder mit Freude und Genuss essen kann. Doch dieses Ziel wirst du mit noch mehr Kontrolle und Druck kaum erreichen. !!! Es gibt eine wichtige Ausnahme: Siehe dafür Box Refeeding!!!
Das ausser Kontrolle geratene Ritual
Lass uns nun einen Blick auf mögliche Bedürfnisse hinter den Zwängen deines Kindes werfen.
Stelle dir den Zwang deines Kindes so vor wie ein Ritual, welches plötzlich eine überdimensionale Bedeutung gewonnen hat. Zuerst war es 'nur' die gemeinsame Pastaparty am Sonntag. Oder das Sammeln von Kastanien vom Familienspaziergang. Oder das Kontrollieren, ob die Haustür auch wirklich abgeschlossen ist.
Irgendwann bekam dieses Ritual eine riesige Bedeutung. Ähnlich eines Rettungsbootes auf dem grossen weiten Ozean. Die Vorstellung nahm auf einmal Überhand, dass etwas ganz Schlimmes passieren könnte, wenn etwas nicht genau so gemacht wird, wie es dein Kind eben macht. Sei dies bewusst oder unbewusst.
Und ohne es zu merken, konnte dein Kind nicht mehr ohne diesem 'ausser Kontrolle geratenem Ritual' leben. Zugegeben, ein Teil ist auch Gewohnheit. Doch dazu mehr in einem anderen Beitrag.
Die meisten Menschen schämen sich für ihre Zwänge. So vermutlich auch dein Kind. Doch es gibt noch andere Gemeinsamkeiten. Menschen mit zwanghaften Verhaltensmustern (2):
Haben ein sehr grosses Sicherheitsbedürfnis.
Vertrauen wenig auf ihre eigenen Fähigkeiten.
Fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen.
Besitzen ein grosses Verantwortungsgefühl.
Wie du siehst ist das Spinnennetz sehr verwoben und es greift zu kurz, lediglich das sichtbare Verhalten zu 'bekämpfen'. Denn der 'Nährboden' der Ess-Störung bleibt auf diese Weise unangetastet. Vielleicht gewinnst du den Kampf um das Essen, doch die Krankheit taucht in anderer Form wieder auf, zum Beispiel mit neuen Regeln, neuen Verboten oder neuer Geheimniskrämerei.
Deshalb: die 'Lösungen' für die oben genannten Bedürfnisse muss dein Kind selbst finden. Du schaffst den Raum, damit es das bestmöglich erreichen kann. Ohne Reibungsverluste bzw. ohne zu Kämpfen.
Choose your fight. Welchen Kampf möchtest du gewinnen? Den um das Essen oder den um dein Kind?

Was du konkret tun kannst
Druck kann in einem ersten Moment wirken, über längere Zeit wird er allerdings den Widerstand deines Kindes verstärken.
Wie belastend dein Kind seine Zwänge empfindet, bestimmt mit, wie offen es für Veränderung ist. Um nachhaltig zu sein, muss die Bereitschaft zum Wandel aus deinem Kind selbst wachsen.
Vielleicht habt ihr schon Schritte unternommen: seid zusammen zum Arzt gegangen, vielleicht musstest du dein Kind auch gegen seinen Willen stationär einweisen lassen. Sei ehrlich mit dir selbst: Wie nachhaltig waren diese Aktionen?
Bedenke, dein Einfluss liegt nicht im Kopf deines Kindes – sondern in deiner Haltung und deiner Präsenz. Unabhängig von deinen Worten. Du kannst es nicht zwingen, sich helfen zu lassen. Dafür kannst du den Rahmen schaffen, in dem Veränderung möglich wird: Sicherheit statt Druck, Einladung statt Zwang.
Ausnahmesituation extrem tiefes Gewicht oder Refeeding-Phase
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass im Rahmen der Genesung von einer Magersucht oder Anorexia Nervosa teilweise andere Regeln gelten.
Wenn die Krankheit bereits stark ausgeprägt ist und der Mangelzustand des Körpers bereits über lange Zeit hinweg besteht, kann es medizinisch notwendig sein, ohne die Bereitschaft oder 'Einwilligung' deines Kindes zu handeln.
Im Rahmen der Familienbasierten (FBT) oder der familienintegrierten Therapie (FiT) Zuhause gilt, während der Gewichtszunahme (Phase 1 oder Refeeding) müssen die Eltern grosse Teile der Kontrolle über das Essen selbst übernehmen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Hier hat der partizipative Ansatz seine Grenzen. Die Bereitschaft deines Kindes zur Kooperation kannst du hier gar nicht oder nur in Teilen voraussetzen. Ausserdem möchte ich dir meine Hochachtung zu dieser Entscheidung aussprechen.
Falls du eine kompetente Begleitung für das Refeeding benötigst, wende dich bitte an folgende Fachstellen:
Kompetenzzentrum familienintegrierte Therapie: https://www.kompetenzzentrum-fit.org
Elternnetzwerk Magersucht https://elternnetzwerk-magersucht.de/
Eltern als Wegbegleiter statt Kriegsherren
Inzwischen wissen wir, dass Eltern wichtige Partner auf dem Genesungsweg ihres Kindes sind. Bis es jedoch bereit ist, sich auf diesen Weg zu begeben, braucht es sehr viel. Und wie du gesehen hast, besteht die Überzeugungsarbeit weniger darin sich auf das Essen (=Rettungsboot) zu konzentrieren, als auf den Ozean (=Bedürfnisse oder emotionaler Hunger).
Viele Jahre nach meiner Krankheit realisierte ich, dass das Essen meine Art der Entspannung war, die ich mir damals nicht anders schenken konnte. Erst dank meiner regelmässigen Qi Gong Praxis brauche ich Essen nicht mehr als 'Suchtmittel'.
Je nachdem, wo dein Kind auf seiner Reise steht, merkt es vielleicht noch gar nicht, dass es im Rettungsboot sitzt. Wenn du nun versuchst, ihm klar zu machen, dass es dort aussteigen soll, redet ihr logischerweise aneinander vorbei.
Denke daran, dein Erleben und das deines Kindes sind nicht gleich. Deine Reife ist nicht gleich der Reife deines Kindes. Auch mit den überzeugendsten Worten kannst du diese nicht über Nacht herzaubern. Ja, es braucht Geduld, viel Spucke und weniger Kampf, um den Boden dafür zu bereiten, damit dein Kind Hilfe annehmen kann.
Ich möchte dich deshalb einladen, das aktuelle Essverhalten deines Kindes als Lernaufgabe zu betrachten. Genauso wie du lernen durftest mit Stress, Unsicherheit und Zukunftsängsten umzugehen, genauso steht das jetzt für dein Kind an. Es darf lernen, nach und nach neue Wege zu finden, seine innere Anspannung abzubauen.
Du kannst dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Hier ein paar Tipps, wie dir das gelingen kann.

Do’s & Don'ts im Umgang mit Zwängen
Genauso wenig kannst du erzwingen, dass dein Kind aus seinen Zwängen aussteigt. Wie du gesehen hast, geht es zuerst darum, den Boden vorzubereiten, damit 'Gras über die Zwänge wachsen kann'.
Indem du den Bedürfnissen deines Kindes Dünger gibst, stillst du seinen emotionalen Hunger auf andere Art und Weise als mit den Zwängen. Hier ein paar Tipps zur Gartenpflege.
Jäten - DON'ts
Vermeiden oder ignorieren
Zugegeben, es ist keinesfalls einfach das Eis zu brechen. Doch sobald du es schaffst - wertfrei - mit deinem Kind über sein zwanghaftes Verhalten zu sprechen, öffnest du Türen. Vielleicht rennst du sogar offene Türen ein. Denn dein Kind schämt sich wahrscheinlich dafür.
Eine gute Formel für den Einstieg ist: "Ich habe beobachtet, dass … Wie geht es dir damit?"
Z.B. …du sehr genau abwiegst, was du zu dir nimmst., …du nach dem Abendessen mehrmals zurück zum Kühlschrank gehst, um dir noch etwas zu Essen zu holen., … du immer wieder die Hände wäschst.
Ratschläge sind auch Schläge
Bevor du deine Überlegungen mitteilst, versuche zu verstehen, was dein Kind gerade beschäftigt. Statt sofort deine Meinung zu äussern, kannst du Fragen stellen wie: „Wie kann ich dich heute am besten unterstützen?“ oder „Was geht gerade in dir vor?“
Wenn, dann-Sätze
Bestrafungen führen vielleicht auf kurze Sicht zum Erfolg. Nachhaltiger ist, die Angst hinter dem Verhalten deines Kindes zu erforschen. Andernfalls rennst du irgendwann gegen verschlossene Türen.
Düngen - DO's
Beginne mit deiner eigenen Gelassenheit
Bevor du mit deinem Kind über Essen, seine Zwänge oder Bedürfnisse sprichst, checke, ob du dafür in der richtigen Verfassung bist. Falls nicht, verschiebe das Gespräch lieber auf einen anderen Zeitpunkt.
Schweizer Neutralität
Generelle Bewertungen begrenzen das Mögliche. Mit Kommentaren wie 'Das ist gesund.' oder 'Das ist gut und das nicht.' teilst du in Kategorien ein, die sowohl dich wie auch dein Kind einschränken. Mit Sätzen wie "Mir gefällt das nicht." oder "Ich mag das." bleibst du bei dir und lässt deinem Kind Raum zu überprüfen, ob das für sich auch zutrifft oder nicht.
Steter Tropfen höhlt den Stein
Auch wenn dein Kind jetzt nicht darüber sprechen will, ist das kein Zeichen für Ablehnung. Signalisiere ihm, dass du da bist, wenn es dich braucht.
Jede Familiensituation ist anders. Die Krankheit ist komplex und vielschichtig. Deshalb sieh diese Tipps als Inspiration für deinen Familienalltag.
Es geht nicht darum das perfekte Miteinander hinzubekommen. Das Leben ist viel zu bunt dafür. Für den Anfang reichen kleine Schritte. Denn genauso wie das lieb gewonnene Ritual auf einmal beängstigend wurde, genauso findet das Rettungsboot irgendwann wieder Halt zum Festmachen.
Deine Begleitung besteht darin, die Wogen zu glätten, damit das Meer weniger beängstigend wird.
Welche kleine Änderung möchtest du in der nächsten Woche ausprobieren? Die Liste oben kann dir Inspiration sein, zum Beispiel für einen Satz, den du weglässt. Oder eine Frage, die du noch nie gestellt hast.
Niemand ist schuld, aber du kannst mitgestalten
Die Stärke der Zwänge deines Kindes zeigt dir, wie gross seine innere Belastung gerade ist – nicht, wie sehr es dich provozieren will oder wie sehr du 'versagt' hast.
In diesem Beitrag hast du gelesen, wie komplex zwanghaftes Verhalten entsteht und was es braucht, um es ablegen zu können. Biologie, der Charakter deines Kindes, sein Umfeld und viele weitere Faktoren müssen zusammenkommen bis die Krankheit ausbricht.
Niemand ist schuld – weder du, noch dein Liebling.
Weil ich diesen Weg selbst gegangen bin, weiss ich: Du gibst jeden Tag dein Bestes. Und: es gibt einen Ausgang.
Was es braucht, ist keine Verurteilung, sondern Mitgefühl und Klarheit: Die Ess-Störung ist das Symptom und deine Tochter oder dein Sohn leidet im Stillen. Je mehr du es schaffst auf ihre bzw. seine emotionalen Bedürfnisse dahinter einzugehen, desto mehr entziehst du den Zwängen und der Krankheit ihren Nährboden.
So entsteht wieder der Raum für Genuss, Nähe und Leben. Schritt für Schritt.
2 Tage Auszeit in Bern - dein Raum zum Kraft Schöpfen
Ich begleite Eltern aus der tiefen Überzeugung und dem Wissen, dass sie mehr bewirken können als sie glauben. Das Gesundheitssystem bietet wenig vertiefte Räume für sie, die Personen, welche am nächsten an den Betroffenen selbst dran sind.
Die medizinischen Wege sind klar – die menschlichen Wege sind jedes Mal wie ein unbeschriebenes Blatt: für jede und jeden neu zu entdecken.
Diese Geschichten zu begleiten ist meine Mission mit Bauchgefühl.
Im August lade ich dafür zu einem 2-tägigen Seminar in Bern ein. Hier geht es nicht um Theorie aus Büchern, sondern darum, wie du den Frieden in dir wiederfindest, um dein Kind optimal durch die Krankheit begleiten zu können.

Thema: Stark sein heisst nicht, Gefühle auszuhalten, sondern angemessen mit ihnen umzugehen.
Wann: 22./23. August 2026
Wo: Qi Gong Zentrum, Bern
Preis: 440 CHF
Plätze: Maximal 12
Wenn du merkst, dass du genau diesen Raum gerade brauchst, schreibe mir gerne direkt, um mehr Informationen zu bekommen. Denn gemeinsam trägt sich jede Last leichter.
Quellen:
(1) Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit BIÖG, Köln, Themenblatt: Zwangsstörung - was ist das?, September 2022,
(2) Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V., Hamburg, Tipps für Angehörige https://www.zwaenge.de/betroffene_und_angehorige/tipps/
(3) Cogodi, E.; Ranieri, J.; Martelli, A.; Di Giacomo, D. Emotional Dysregulation in Anorexia Nervosa: Scoping Review of Psychological Treatments.Healthcare2024, 12, 1388. https://doi.org/10.3390/healthcare12141388
